Ein Tag im Leben eines "Dragster-Piloten"

Heute soll es mal tiefere Einsichten in das Leben eines Dragsterfahrers geben, denn wer glaubt es wäre alles Friede Freude Eierkuchen, der täuscht gewaltig. Immerhin investiert man eine Menge Geld und nimmt so einige Strapazen auf sich, um diesen immer noch so unbekannten Sport auszuführen. Wie oft hört man: "Ah Drag-Racing das hat doch was mit Traktor-Pulling zu tun oder?"

Nun gut stellen wir uns vor es ist ein Rennsamstag, 6 Uhr und im Fahrerlager herrschen noch tiefe Schlaf- und Schnarchgeräusche - doch dann:

07:00

Der Wecker klingelt und eigentlich hat die Party gestern abend gerade erst aufgehört oder? Am besten nicht in den Spiegel schauen.

08:00

Nach 2 Aspirin, 3 Tassen Kaffee und einem Müsliriegel schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. Beim Anblick des Bikes steigt der Besitzerstolz und auch der Adrenalinspiegel. Heute ist es soweit. Der Tag der Qualifikation steht an. Wäre doch gelacht wenn die Arbeit des Winters nicht gefruchtet hat.

09:00

So was muss jetzt noch alles erledigt werden? ja richtig, Luft für den Airshifter auffüllen, die Lachgasflasche einbauen, das gute Rennbenzin in den Tank (das Zeug wird auch immer teurer) und die Luft auf den Reifen überprüfen. Noch schnell ne Tasse Kaffee und dann der obligatorische Gang zur Toillette.

10:00

Der erste Aufruf tönt über den Lautsprecher und schon schnellt das Adrenalin in die Höhe. Habe ich auch nichts vergessen? Warum will der Holländer jetzt noch eine Ventilkappe - das fällt dem ja früh ein aber man ist ja ganz Sportsmann und am Start werde ich es ihm schon zeigen.

10:30

Bin mit Bike, Starterwagen und Mechaniker am Line Up und muss mich jetzt sammeln und konzentrieren. Wäre doch gelacht wenn wir nicht gleich im ersten Lauf eine Mörderzeit hinlegen können. Der Motor ist gestartet und der 3. Gang für den Burnout ist drin. Nun Vollgas, die Bremse ziehen und die Kupplung schnacken lassen. Klasse der Burnout ist geschafft und der Motor läuft noch. Der Gegner ist schon im Prestage. Nun rasch den ersten Gang rein und ab an die Startlinie. Prestage - Stage und los geht es. Der einzige Gedanke ist: blos gut schalten. Nach 8 Sekunden über die Ziellinie und das Ding zum Stehen bringen. Na den Auslauf hätten die aber auch etwas länger machen können. Wie wohl die Zeit war?

11:00

Bin wieder gut im Fahrerlager gelandet und die Zeit war auch nicht so übel - geht wohl noch etwas schneller. Nun erstmal aus der verschwitzten Kombi raus - Mann das Zeug klebt vielleicht. Puh geschafft. Nun rasch ne Limo und das Bike überprüfen.

12:00

Am Bike alles ok und auch schon für den nächsten Lauf vorbereitet. Dem Gegner hat es leider den Zylinder zerfetzt - schöne Schei...

13:00

Wo bleibt wohl der zweite Aufruf? würde ja gerne noch was essen aber nicht vor einem Lauf. Da macht der Magen nicht mit. Mach mir ne Zigarette an. Im Restaurant klappt der Trick doch auch immer. Richtig - kaum den ersten Zug getätigt schon tönt der Fahrerlager-Lautsprecher und alles macht sich auf den Weg an den Start.

13:00

Bin im Line-Up und will den Motor starten aber was ist das? Shit habe vergessen die Batterie aufzuladen und nun fehlt der Saft für den Start. Also das ganze Geraffel zurück ins Fahrerlager. Wäre ja auch zu schön gewesen noch ein 2. Mal da runter zu fahren. Naja der Fehler passiert mir garantiert nie wieder und ein Lauf ist ja noch.

14:00

Die freie Zeit für ein lecker Mittagessen genutzt und mit einem frischen Kaffe und einer frisch aufgeladenen Batterie wieder am Bike basteln. Diesesmal passt alles. Sehe mir die Zeiten der "Konkurenz" an. Nicht schlecht, der Engländer hat wieder eine Mörderzeit vorgelegt.

15:00

Noch eine Stunde bis zum nächsten Lauf also einfach mal die Zeit nutzen um das Fahrerlager zu inspizieren und wichtige "Benzingespräche" zu führen. Da vorne war doch auch noch der Stand mit den super Werkzeugen und die eine oder andere Kleinigkeit kann man ja immer gebrauchen. Zur Sicherheit noch ein T-Shirt für die bessere weibliche Hälfte gekauft, dann fällt die Werkzeugbeschaffung nicht so auf.

16:00

Der letzte Aufruf für heute kommt und ich fühle das Adrenalin explodieren. Nun blos ruhig bleiben und keinen Fehler machen.

16:30

Bin am Start, der Burnout hat prima funktioniert und nu geht es ab. Die Ampel schaltet auf "GO" und ich lasse die Kupplung schnacken. Das Bike schiebt als wenn Du einen Tritt in den Rücken bekommst. Schnell in den 2. Gang schalten und weiter gehtís. Bow das Bike hat genau den Druck den ich beim Bauen vermutet habe und mit Vorderrad in der Luft geht es ab über die Piste. Nach 100 Metern ist das Vorderrad dann wieder unten und nach noch 3 mal schalten ist die Ziellinie hinter mir. Alter war das ein Lauf, das muss locker ne 8'er Zeit geworden sein. Ja Sieg Klasse spring durch die Gegend. Der nächste Fahrer ist im Auslauf angekommen und hat mir gesagt, dass es eine tiefe 8'er Zeit war. Jow !!

17:00

Bin zurück im Fahrerlager und alles drängelt sich um mein Bike. Mit dem letzten Lauf habe ich es noch geschafft Top Qualifier zu werden. Damit ist morgen im ersten Lauf der 8. Schnellste dieses Tages mein Gegner.

18:00

Das Bike überprüft, für morgen vorbereitet und nochmals liebevoll getätschelt. Nu schnell die Plane rüber, Abendbrot reinschieben und dann feiern was das Zeug hält.

 

Den Rest des Abends könnt Ihr Euch sicherlich bildlich vorstellen darum auch hier keine weiteren Einträge. Personen oder Nationalitäten sind frei erfunden und viele andere Fahrer haben weitaus mehr Stress und Panik an so einem Wochenende. Da geht es von kleineren Reparaturen bis hin zu ganzen Motorüberholungsarbeiten. Einige können auch schon am Samstag einpacken und mit dem kaputten Gerödel nach Hause aber so schlimm wollen wir es hier nicht schildern.

Ich hoffe, dass Euch dieser kleine Einblick in die Seele eines Dragster-Piloten gefallen hat und wünsche Euch eine tolle Saison mit spannenden Zweikämpfen, tollen Bikes und viel Spaß im Fahrerlager. Genau im Fahrerlager, denn das macht diesen Sport so einzigartig. An einem solchen Rennwochenende muss man nicht nur auf der Tribüne sitzen - nein hier hat man die Chance die Fahrer auch mal "hautnah" erleben zu dürfen.

See you on the track